Kleiner Roadtrip 5. - 8. Januar

11Jan2019

Hinter uns liegt ein kleiner Roadtrip. Ich muss sagen, dass ich regelrecht darauf hin gefiebert habe, mal wieder "raus" zu kommen. Freiheit spüren. Ich mag das Wohnmobil. Alles ist so überschaubar und man hat einfach wenig Arbeit. Es ist Erholung vom Haushalt. Milla fährt mittlerweile wirklich gut mit, auch bei längeren Strecken und so ist es nun entspannter als letztes Jahr auf der Reise weil wir einfach zügiger voran kommen. Sie liebt nun ihren Sitz heiß und innig und fährt weniger auf dem Schoß mit...

Auslöser war, dass Friedlind einen Tag Aufenthalt am Flughafen Lissabon hatte und wir uns gerne treffen wollten. Und ich wollte sowieso schon länger mal wieder "draußen" schlafen.

 

Tag 1

Freitags ist bei uns immer Aufräumen und Putztag. Das hab ich vor ein paar Wochen festgelegt😂 dann helfen alle zusammen, es ist "grundsauber" und den Rest der Woche gebe ich mich mit Fegen zufrieden. So konnten wir also das Haus sauber hinterlassen und sind dann samstags nach Frühstück und Packen losgefahren. Die Mädchen haben zufrieden im Womo gespielt, so dass wir das erstaunlich gut gewuppt haben, man muss ja doch an einiges denken mit Kindern, egal wie kurz man wegfährt 🙈
Dann ging es los, hoch an der Küste entlang Richtung Lissabon, kurzer Stop in Odemira zum Einkaufen und dann Halt in Vila Nova de Milfontes, unserem absoluten Lieblingsort im Alentejo. Das ist sozusagen das Gebiet bzw. das "Bundesland" welches an die Algarve anschließt (wo wir wohnen). Wir parken am Praia das Furnas, vespern erstmal und gehen dann an den Strand. Außer jemandem, der gerade Drohne fliegt, ist niemand da. Der Strand ist am Rio Mira. Dieser Fluss (einem der saubersten in Europa!, wirklich klares blaues Wasser), wird vom Atlantik gespeist. Hier ist es mit Kindern ideal, da es keine Wellen hat und flach ins Wasser geht. Es wird gesandelt und geplantscht. Paula ist wie immer unerschrocken was das kalte Wasser angeht, sie badet und setzt sich ins Wasser und springt in der Badehose herum. Chris packt es auch und lässt sich ins Wasser fallen 😱😂
Ich liege lieber im Sand und halte mein Gesicht in die Sonne. Mir reichen aktuell nasse Füße.

Später schläft Milla in der Trage und wir gehen den Strand am Fluss entlang Richtung Meer. Zwei Fischer haben ihre Angeln im Wasser. Wir sehen noch eine portugiesische Familie und sonst ist nichts los . Dann sind wir am Atlantik, am wirklich langen und breiten Sandstrand. Da der Fluss an beiden Uferseiten jeweils einen Strand hat, gibt es auch am Atlantik vorne den einen Strand wo wir nun stehen und auf der anderen Seite gegenüber. Die Wellen gehen sanft in den Fluss über. Ich könnte da ewig zuschauen. Paula und Chris malen im Sand, u.a. einen riesigen Baum mit einer Schaukel😄 ich kann gar nicht beschreiben wie schön die Stimmung ist. Man blickt einfach nur aufs endlos scheinende Meer.
Milla wacht auf und spielt noch ein bisschen. Die Sonne steht immer tiefer am Horizont und wir beschließen bis zum Sonnenuntergang zu bleiben.
Chris macht ein paar schöne Aufnahmen.
Wir laufen diesmal den Atlantikstrand bis zum anderen Ende (dann kommen Klippen) während die Sonne langsam im Meer versinkt. Ich bin immer noch barfuß und bekomme langsam kalte Füße. Das Wasser wirkt nun direkt warm dagegen. Wir laufen an der geschlossenen Strandbar vorbei und über den Schotterweg zurück zum Wohnmobil. Ich spüre meine Füße nicht mehr. Was für eine verrückte Erfahrung!
Zum Glück haben wir im Wohnmobil eine Heizung und der kleine Raum wird auch sehr schnell sehr warm. Wir kochen und essen, richten das Bett, spielen noch irgendwas und schlafen....

 

Tag 2

Milla und ich sind früh wach. Das kommt eher selten vor. Ich bin darüber total glücklich weil ich schon lange mal wieder einen Sonnenaufgang sehen möchte. Es ist muckelig warm weil die Heizung über Nacht lief (wird sonst so kalt wie draußen!!) und der Morgenhimmel ist wirklich schön. So viele Farben. Nebel über dem Fluss. Der Holzweg zum Strand ist nass vom Tau.
Irgendwann ist Paula wach, die Mädchen spielen und frühstücken im Bett. Chris döst noch im Alkoven oben.
Wir besprechen und wägen ab was wir machen wollen und beschließen ein Stück zu fahren. Die Sonne scheint und da der Alentejo eine zauberhafte Natur und teils lange gerade Straßen hat, genießen wir die Fahrt. Milla schläft irgendwann. Dann halten wir in Alcacer do Sal. Dort waren wir auf unserer Reise bereits 2x. Dort ist ein kostenloser Stellplatz an einem Fluss mit Wasser, WC, Café und Spielplatz. Hier können die Kinder erstmal eine Runde toben, dann gibt es eine Suppe. Heute ist ja Sonntag und Feiertag und es sind deshalb viele portugiesische Familien da.
Wir spazieren noch über die Brücke in die kleine Stadt, die wirklich Charme hat. Es ist noch weihnachtlich geschmückt. Das Lustige hier ist, dass überall Lautsprecher an den Häusern sind, aus denen Weihnachtsmusik kommt 😂
Wir trinken noch einen Espresso in der Sonne und spazieren über die andere Brücke und an der anderen Flussseite zurück.
Dann fahren wir die restliche Stunde nach Lissabon über die unglaublich beeindruckende Ponte da Vasco da Gama. Sie ist 16 km lang und zieht sich über den Fluss Tejo. Es ist schon Abendsonne da und strahlt die Brücke an als wir darüber nach Lissabon reinfahren.
Wir suchen uns einen Platz am Parque do Tejo zum Stehen und drehen dort noch eine Runde. Die Kinder brauchen jetzt Bewegung und Auslauf. Es gibt eine schöne Brückenpromenade am Fluss entlang und genug Wiese zum Rennen. Die Sonne geht unter und es ist deutlich frischer als bei uns in Carrapateira. Deshalb wird es Zeit fürs Womo und Heizung und warmen Eintopf. Die Nacht ist sehr ruhig.

 

Tag 3

Friedlind landet schon um 7. Wir lassen uns heute also gerne früh wecken und genießen wieder die Morgenstimmung. Es gibt Haferbrei zum Frühstück. Friedlind braucht drei Taxifahrer bis sie in unsere Nähe kommt, obwohl der Flughafen nur 10 Min weg ist 🙄 da lernt man wieder mal was dazu.... inklusive einem ungeplanten Ausflug in die Altstadt, wo sie überhaupt nicht hinmöchte... wir telefonieren und fahren schließlich 2 Straßen weiter und sammeln sie ein.

Wir verbringen einen traumhaft schönen Tag bei blauem Himmel und strahlenden Sonnenschein. Laufen die Promenade vor und trinken im Hotel MyRaid auf der Terrasse am Fluss den teuersten Espresso unseres Lebens😂 aber der lohnt sich richtig, die Atmosphäre ist toll, Milla beschäftigt sich die ganze Zeit allein mit 4 Muscheln (und löffelt Crema aus den Kaffeetassen) und so können wir ein bisschen schwätzen. Und die edelste Toilette gab es noch gratis dazu😂 Paula und ich setzen uns später noch kurz an die Bar und träumen von einem Kurztrip und alkoholfreiem Cocktail an der Bar. Chris bestaunt solange den feuerroten Flügel😱

Im Anschluss machen wir eine Gondelfahrt über den Tejo. Wirklich so schön!!! Die Kinder sind glücklich. Wir laufen am Fluss zurück, halten bei einem kleinen Spielplatz, Milla sammelt überall Konfetti von Silvester und dann gehts ins Miss Saigon. Nicht das Musical sondern ein veganes Restaurant mit sehr leckerem Essen (und Nachtisch😋)
Die Kinder bekommen Malsachen und sind durchgehend beschäftigt.
Danach gehts zu einem großen Spielplatz. Milla schläft dazwischen irgendwann. Chris und Paula leihen sich einen elektronischen Fußroller aus und sausen zu zweit die Promenade vor 😂 die Teile standen überall rum und man musste sich nur eine App runterladen und konnte starten. Dann gab es noch einen Snack und Plauderzeit im Wohnmobil bevor wir Friedlind zum Flughafen bringen... diesmal lieber kein Taxi 😅
Was für ein stimmiger und schöner Tag🙏 rundherum perfekt.

Wir beschließen nicht noch mal eine Nacht zu bleiben, wie mal angedacht, sondern ein Stück vom Heimweg zu fahren. Chris hat ein kleines neues Projekt dazu bekommen und wir wollen sowieso nochmal nach Lissabon um Felix zu besuchen. Und dann das angebotene Gästezimmer nutzen...
Wir fahren wieder nach Alcacer do Sal (wieder bei Abendsonne über die beeindruckende Brücke😍) und bekommen auf der Fahrt einen hinreißenden Abendhimmel in knalligen Farben geboten.
Wir essen in Alcacer do Sal im Wohnmobil zu Abend und richten uns und das Bett schon zum Schlafen.
Ich liege mit den Kindern hinten und wir hören Karneval der Tiere. Paula liebt es wenn wir abends fahren und betont dauernd wie gemütlich es ist. Milla ist auch schon müde und lehnt sich bei mir an. Sie schläft noch während des Hörspiels ein und Paula am Ende. Und ich auch 😅 es ist einfach Sau gemütlich unter der warmen Decke wenn es ruckelt...

 

Tag 4

Ich freu mich über das Aufwachen und spickel aus dem Fenster. Wir stehen auf einem Parkplatz, vor mir ein Fluss in der Morgensonne. Chris ist noch bis nach Odeceixe (Odseisch) gefahren! Das ist der erste Ort der Algarve auf unserer Route.
Es gibt Maiswaffel mit Humus und Apfel im Bett zum Frühstück. Dann wollen wir uns den Ort anschauen von dem wir bisher nur den Strand kennen.

Der Ausflug geht bin in den Mittag rein... wie das mit kleinen Kindern ist, die selber laufen können (und wollen), dauert alles seine Zeit... erstmal ist da der Spielplatz, dann eine Katze und dann mag Milla am Springbrunnen spielen. Paula turnt währenddessen auf den Sportgeräten die gefühlt überall in Portugal am Straßenrand aufgestellt werden. Ich finde das sehr lustig. Goldig ist auch die Omi, die uns entgegen kommt, grüßt und sich dann auf eines der Geräte schwingt 👌🏻 danach geht sie gegenüber im Minimercado einkaufen.

Der Ort klebt am Hang, es geht also immer hoch und bergauf. Ganz oben ist eine schöne alte Windmühle. Wir laufen schmale Gassen hoch, begutachten die Häuser. Auch hier typisch Portugal... immer wieder Ruinen zwischen den Wohnhäusern. Manchmal wächst im Haus schon ein Garten. Hier kann man kaputte Häuser zum Kaufen ohne Ende finden.....

An der Mühle werden wir mit einem tollen Ausblick belohnt. Man hört sogar das Glockenläuten von Kühen.
Wir laufen noch weiter, essen einen Snack in einem Café und sehen noch ein paar Schäfchen. Dann gehts zurück, diesmal einen etwas anderen Weg bei dem wir auch das Dorfzentrum mit ein paar netten Läden und Restaurants entdecken.
Wir gehen zum Wohnmobil und an den Strand. Dieser Strand ist besonders. Man parkt oben an den Klippen, dann gibt es ein Mini Dorf mit Gastronomie am Hang (ich vermute Ferienunterkünfte) und hat dann Strand, Atlantik und einen flachen Fluss. Milla ist müde und schläft , wir spazieren den schönen Klippenweg und dann zum Strand.
Da ist dann auch Milla wieder wach und die beiden Mädels spielen im Fluss. Es ist goldig was Milla alles aufnimmt und lernt von Paula. Sie steht plötzlich vor uns mit einer Tasse und einer Schüssel Sand und bringt laut eigener Aussage "Tee und Kuge", also Kuchen. Sie ist sehr beschäftigt und Paula springt natürlich ins Wasser bis zur Brust.
Ich gehe zum Kochen, die Anderen kommen nach. Nach dem Essen spielen die Mädchen mit ihren Sachen im Alkoven und hören Musik und wir sitzen und machen genau NICHTS😄

Irgendwann müssen wir dann (leider) weiter, in Aljezur hüpfe ich noch kurz in einen Laden damit das Essen bis Samstag reicht und dann sind wir im Dunkeln Zuhause.
Die Mädels wollen direkt in die Badewanne, so können gleich Willi ausräumen und Abendessen machen. Ich überrasche Paula mit Wraps. Sie strahlt und freut sich und macht mir 1000 Komplimente😄 und Milla hat viel Freude beim Essen und macht eine Riesen Sauerei 😍

Die Zeit im Wohnmobil war wunderschön. Ich fühle mich da pudelwohl. Und die Kinder sind da so zufrieden. Es wird auch einfacher, jetzt wo Milla "älter" ist.
Ich persönlich genieße das Schlafen in der Natur oder am Meer, den minimalistischen Haushalt und die Zeit, die dann eben für andere Dinge da ist.
Ich kann mittlerweile gut nachfühlen, warum viele Familien für längere Zeit in einem Wohnmobil leben....
natürlich schätze und liebe ich das Haus indem wir aktuell leben. Ich habe allerdings auch die Erkenntnis für mich gewonnen, dass ich das, langfristig gesehen, nicht dauerhaft möchte/brauche. Es ist mir einfach zu viel Arbeit und wir nutzen gar nicht alle Räume.
Etwas Kleineres reicht mir und unseren Bedürfnissen vollkommen.

Jetzt wärmen wir das Haus wieder, genießen den Ofen und gehen dann schlafen.